Freitag, Oktober 14, 2005

beginn einer Serie: kapitalistische praxis

die serie "kapitalistische praxis" soll sich mit bizarr-banalem aus der, den kapitalismus in den industriellen überflussgesellschaften konstitutierenden, waren- und konsumwelt beschäftigen. und zwar völlig eingedenk dessen, dass jeder beitrag für sich genommen ausdruck der dekadenz des autors/systems ist.

diesmal (aus gegebenem anlass): deutsche handy-tarife.

mein versuch in berlin einen handy-vertrag abzuschließen endete mit befremdlicher verzweiflung und fassungslosigkeit: trotz universitätsabschluss und langjähriger erfahrung in kapitalistisch-konsumatorischer praxis war es mir unmöglich, aus den vorhandenen prospekten nur ansatzweise die für mich - im falle eines vertragsabschlusses - anfallenden kosten auch nur zu erahnen.

meinen ersten versuch bei O2 brach ich an dem punkt ab, als ich auf über einer halben A4-seite in kleinstmöglicher schrift fußnoten von 1 bis ca. 100 mit ergänzungen zu den jeweiligen tarifen nicht entziffern konnte. (wer sich einen kleinen eindruck vom fußnoten-wahnsinn verschaffen möchte, besuche obigen O2-link und scrolle bis zum ende der seite - egal wie groß der bildschirm ist, die fußnoten werden den ganzen bildschirm ausfüllen.)

mein zweiter versuch - mit hilfe eines im umgang mit verzweifelten kunden scheinbar erfahrenen verkäufers/universitätsprofessors - bei vodafone brachte da schon mehr klarheit, insbesondere über eine traurige tatsache: österreich ist zumindest in einem bereich noch die insel der seligen, und wenn es nur im bereich des mobilfunks ist. bei vodafone kunde/in werden darf nämlich nur, wer sich für 24 monate bindet. wer glaubt, 50 freiminuten wären klar und deutlich, der/die irrt: die gelten nur ins eigene und ins festnetz. aber "dafür" bekommt man noch 20 minuten mit einer zweiten sim-karte (und damit auch zweiten rufnummer). wer jetzt glaubt, er/sie könne einfach auf diese zweite karte verzichten, weil er/sie diese nicht brauche, der/die irrt schon wieder: man muss sie nehmen und sie will nach 24 monaten auch separat gekündigt werden, sonst läuft der vertrag für diese zweite nummer weiter. wer will, dass die 50 "frei"minuten auch in andere netze gelten, der zahle 5 euro auf die grundgebühr auf und so weiter, fußnote auf fußnote...

fazit meiner kleinen (noch nicht abgeschlossenen) qualitativen deutschen handymarkt-studie: ich werde mir ein wertkartenhandy zulegen, hier lassen sich die tarife wenigstens etwas leichter vergleichen.

1 Kommentar:

ClemensKa hat gesagt…

Deine Verzweiflung ist verständlich. Ich kann für meinen Teil berichten, dass T-Mobile in Amerika sowohl "Whenever"- als auch "Wherever"-Minutes hat, die bei bestimmten Packages jedoch nur für einen bestimmten Zeitraum (Wochenende) bzw. wiederum nur regional gelten. Welches Vergleichsmaß ich wiederum zu den "VerizonWireless Home Airtime Minutes" anwende habe ich noch nicht herausgefunden.

Jedenfalls entsprechen "Whenever-Minutes" nicht den - hmm - echten Minuten, also 1/60 einer Stunde, wie ich schmerzhaft bei meiner prepaid-card herausgefunden habe, sonst könnte ich mit den bisher gekauften Minuten noch bis zum Ende aller Zeiten telefonieren.