Dienstag, November 01, 2005

zitat zu münteferings rücktritt

Rüdiger Suchsland bringt es in telepolis auf den punkt:

"Einmal mehr erweist sich die deutsche Linke als die dümmste Linke der Welt, die SPD als machtvergessen und im schlimmsten Sinne gesinnungsethisch: Inhalte werden zwar zur Disposition gestellt, aber ohne sich dafür etwas einzuhandeln, starke Personen opfern sich selbst auf dem Altar fragwürdiger vormoderner Werte wie 'Ehre' und 'Konsequenz', eine Strategie ist nicht erkennbar und taktische Positionen werden ohne äußeren Zwang preisgegeben."

im übrigen bin ich der meinung, dass es trotz allem gut für die SPD ist, dass mit Münteferings rücktritt endgültig das ende der "Schröder-clique" eingeleitet ist. natürlich kann niemand garantieren, dass das, was nachkommt, besser ist, aber das kann man nie. Schröder, Müntefering & co hatten ihre chance und sie haben sie vergeigt. dass sie sich jetzt nicht auch noch in ruhe eine ihnen genehme nachfolge "aufbauen" können, ist dementsprechend nur gut. und auch wenn ein als "rechts" bezeichneter Platzeck neuer SPD-chef wird, so ist er nicht wirklich einem flügel oder einer clique zuzurechnen, dazu ist er einfach zu kurz dabei. außerdem wird sich jede/r neue vorsitzende mit Nahles arrangieren müssen.

Kommentare:

ClemensKa hat gesagt…

Genauso dumm wie Muente scheint mir Nahles in dieser Sache gewesen zu sein.

Ich haette mich an sich gefreut, wenn Nahles und Co (wer auch immer das ist) als "Junge" uebernommen haetten, aber nicht durch so einen dummen halbgaren Putsch, vor dem sie gleich wieder zurueckgeschreckt sind.

Vielleicht bin ich viel zu sehr Parteisoldat, aber so wie es gelaufen ist schadet es schlichtweg der ganzen Partei.

Aber du hast recht, wenn du sagst, das aus der Sache kein unglaubliches Drama resultieren muss. Und das, weil Muente und Zeul richtig reagiert haben, soweit ich das sehe. Anstatt sich einem muehsamen jahrelangen internen Gezerre auszusetzen zwischen ihnen und den "Jungen", ueberlassen sie ihnen die ganze Sache. Das ist gut so, in einer schlechten Gesamtsituation.

Die Gefahr ist, dass der rechte Parteifluegel nun vielleicht die Chance wahrnimmt, die nun angepatzte Nahles mitsamt ihrer linken Crew auch gleich als "Schuldige" abzuservieren. Offensichtlich traut sich Nahles und Co ja die komplette Uebernahme per Kraftprobe nicht ganz zu.

Nahles sollte aber von der Kandidatur nicht zuruecktreten, sondern die Chance auf eine Reorientierung wahrnehmen. Auch wenn sie, glaube ich, zu einem falschen Zeitpunkt gekommen ist. Und Muente muss sie unterstuetzen, wenn es ihm um mehr geht als um seine Eitelkeit.

leonido hat gesagt…

leider hat die nahles aber scheinbar inzwischen auch ihren rücktritt von der kandidatur angeboten - das find ich fast noch bescheuerter als den rückzug vom müntefering.

und jetzt im nachhinein zu sagen, ob die kandidatur von der nahles der partei mehr geschadet als genützt hat bzw. eine nicht-kandidatur hätte, weiß ich nicht. am besten wäre es natürlich gewesen, der müntefering hätte sich gleich für sie entschieden. dass sie aber letztlich die wasserhövel-lösung verhindert hat, kann für die spd eigentlich nur gut sein...

being udall hat gesagt…

auch ich halte den rückzug von nahles für voreilig, wenn nicht gänzlich falsch. dass mit münte die schröder-clique abdankt, sehe ich noch nicht, v.a. wenn wirklich sigmar gabriel jetzt generalsek werden soll. soweit ich seinen wahlkampf in niedersachsen und seine rechtfertigungen nach verlorener wahl verfolgt habe, kommt da ja ein ganz eitler, nur wählerstimmenorientierter, wehleidiger machtmensch.