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Montag, Dezember 11, 2006

Suggestivfrage der Woche: "Der Spiegel" und die Löhne


"Sollte der wirtschaftliche Aufschwung zu höheren oder moderaten Lohnerhöhungen führen, um die Konjunktur nicht zu gefährden?" Diese Frage stellte TNS Infratest für den SPIEGEL 1000 Befragten. Wenig überraschend wollten bei dieser Fragestellung 63 Prozent lieber "die Konjunktur nicht gefährden". Schon erstaunlicher ist, dass 32 Prozent der Befragten das Risiko für höhere Löhne lieber doch eingehen würden. Kleines Detail am Rande, ebenfalls zu finden in dieser Spiegelausgabe: Während Deutschland - um "die Konjunktur nicht zu gefährden" - in den letzten zehn Jahren insgesamt einen Reallohnverzicht in Höhe von 0,9 Prozent übte, "riskierten" beispielsweise Schweden und Großbritannien jeweils Reallohnerhöhungen von über 25 (!) Prozent und wurden dafür beide mit Rekordwachstum belohnt.

Montag, Dezember 26, 2005

intersubjektive bestätigung

meine persönliche wahrnehmung, dass sich in den letzten jahren nicht nur die journalistische qualität des deutschen nachrichtenmagazins "Der Spiegel" stark verschlechtert, sondern sich auch dessen politische ausrichtung fundamental nach rechts verschoben hat (aktuelles beispiel: die serie über die "goldenen 50er jahre", deren einzige botschaft zu sein scheint, wie durch 48-stunden woche, gewerkschaftlichen lohnverzicht und christlich-konservative werte das deutsche wirtschaftswunder möglich geworden sei), wurde nun von unerwarteter seite eindrucksvoll bestätigt: Andreas Unterberger, größter fan der schwarz-blauen wende und inkarnation eines neoliberalen treppenwitzes - als radikaler verfechter von Schüssels motto "mehr privat, weniger staat" fand er nach seiner "freisetzung" bei der "Presse" zuflucht als chefredakteur des im öffentlichen eigentum stehenden republiks-blattes "Wiener Zeitung" - berichtete in der rubrik "Was ich lese..." im monatsmagazin "Datum" von großer "Lesefreude" bei folgenden druckwerken:

"bei dem in Schärfe und und Weisheit seiner Analyse unübertreffbaren britischen Economist (soweit, so erwartbar, Anm.), bei dem in den letzten Jahren dramatisch verbesserten Spiegel und bei der sensationellsten Neugründung des Medienmakts, bei Cicero."

fazit: "Der Spiegel" hat sich in den letzten jahren tatsächlich vom links-liberalen "Sturmgeschütz der Demokratie" (eigenbeschreibung des verstorbenen gründers und herausgebers Rudolf Augstein) zur rechts-konservativen lieblungslektüre eines Andreas Unterberger entwickelt...

Sonntag, November 13, 2005

Dobuschido

link zu spiegel vs. linz:

DOBUSCHIDO

Montag, November 07, 2005

schon wieder: "Der Spiegel", diesmal über Linz

"Der Spiegel" informiert über meine heimatstadt LINZ anlässlich des Bushido-prozesses in eben derselben.

zum hintergrund: der deutsche möchtegern-gangsta-rapper Bushido war in eine schlägerei vor einer linzer disco verwickelt, war dann 15 tage in Linz in u-haft und schlachtet diesen vorfall nun nach allen regeln der selbstvermarktungs-kunst aus. soweit, so langweilig. umso spannender dafür, was "Der Spiegel" in seinem bericht in der akteullen ausgabe 44/05 auf seite 197 über Linz recherchiert hat. wortwörtlich schreibt Spiegel-reporter Wolfgang Höbel dort:

"Eigentlich geht man nicht nach Linz in die Disco. Eigentlich geht man überhaupt nicht nach Linz. Linz ist der Arsch der Welt: Chemie, Langeweile, Drogen. Womit man wiederum natürlich nach Linz muss, wenn man im Rap-Geschäft ist, also in die Ghetto-Stadt Österreichs, das Härteste, was Österreich zu bieten hat."

diese beschreibung liefert zwar einige erklärungen (z.B. für meine gelegentlichen wutausbrüche, schließlich heißt es doch: "du kannst einen mann aus dem ghetto holen, aber niemals das ghetto aus einem mann!"), gleichzeitig wirft es aber auch eine ganze menge an fragen auf: wenn Linz "der Arsch der Welt" ist, was ist dann zb. "Lungitz"? wenn Linz die "Ghetto-Stadt Österreichs" ist, was ist dann z.B. Wien-Simmering? wenn Linz "das Härteste (ist), was Österreich zu bieten hat", wie "hart" ist dann österreich auf einer skala von 0 bis Bushido? vielleicht weiß ja jemand die antwort auf diese fragen...

Sonntag, Oktober 23, 2005

brechmittel des tages: "Der Spiegel"

dass sich "Der Spiegel" weltanschaulich spätestens mit ableben des gründers Rudolf Augstein hin zu einer neoliberal-bizarren "reformorientierung" verändert hat, ist ebenso ein faktum wie die immer schlechtere journalistische qualität der artikel (der wöchentliche vergleich mit "Der Zeit" macht sicher).

mit der aktuellen ausgabe ist aber ein neuer tiefpunkt erreicht. in deutschland ist es gerade journalistInnen-sport "Hartz VI"-empfängerInnen möglichst pauschal als abzocker und parasiten zu diffamieren.

wer jetzt von einem "sturmgeschütz der demokratie" (Augstein) erwartet, dass es diese propaganda zurechtstutzt, der irrt. im gegenteil, "Der Spiegel" versucht scheinbar in seiner ausgabe nr. 43 die aktuelle "Bild"-kampagne für bildungsbürgerInnen umzusetzen und präsentiert am cover einen Hartz-VI-wurlitzer der auf knopfdruck geld aus zahlreichen leistungen liefert, die alle auf ein zentrales feld mit der aufschrift "Täuschen & Mogeln" verweisen. im heft werden dann auch pflichtschuldig die "tricks der üblen Hartz-IV-Schmarotzer" ("Bild") aufgedeckt. als hätte jemand die "Bild"-schlagzeilen zum thema noch mit einer rahmenstory versehen wollen.