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Montag, März 24, 2014

generation remix

07. mai 2013 wurde im rahmen der re:publica die initiative rechtaufremix.org vorgestellt. seit damals haben wir nicht nur die englischsprachige seite right2remix.org gestartet, sondern täglich einen remix des tages vertwittert und wöchentlich ein interview mit remixer/innen über deren erfahrungen und einstellungen zum thema remix und remixkultur geführt.


am 04. mai 2014, kurz vor der diesjährigen re:publica, präsentieren wir ab 18 uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung zum ersten jahrestag der initiative gleich zwei neuigkeiten. erstens wird unser online remix.museum starten, an dem leute wie Dirk von Gehlen, Georg Fischer, Till Kreutzer, Katharina Meyer, und Susanne Regener mitgearbeitet haben. zweitens werden wir das buch "Generation Remix: Zwischen Popkultur und Kunst" vorstellen, bestehend aus interviews mit remixer/innen gemeinsam mit einigen einführenden texten - u.a. erstmals in deutscher übersetzung die einleitung des buchs "Remix" von Lawrence Lessig. zur feier des tages werden außerdem die grandiosen remix-kabarettisten maschek. auftreten.

Dienstag, August 06, 2013

halbvorstellung (3): 'Post-Privacy: Prima leben ohne Privatsphäre' von Christian Heller

im unterschied zu den ersten beiden einträgen in der serie halbvorstellung, bei denen es um bücher ging, denen auf halber strecke die luft ausgeht, ist es dieses mal umgekehrt. das buch „Post-Privacy: Prima leben ohne Privatsphäre“ von Christian Heller kommt nämlich erst in der zweiten hälfte richtig auf touren.

vor allem im ersten kapitel wird das internet - wohl als durchaus bewusst gewähltes stilmittel - zum akteur gemacht ("Das Netz will alles lernen über diese Welt," S. 8) und apodiktisch wird der verlust von privatsphäre als unumkehrbar und unaufhaltbar dargestellt ("Die Kämpfe um Datenschutz und Privatsphäre sind Rückzugsgefechte," S. 24). das alles kommt viel krawalliger und plumper daher, als der differenzierte und nachdenkliche zweite teil des bands.

vielleicht liegt der schleppende start aber auch daran, dass in der ersten hälfte des buches viel erklärt und eingeführt wird, das - abgesehen von der informativen "Kleine[n] Geschichte des Privaten" in kapitel 2 - netzaffinen leser/innen schon bekannt sein dürfte.

Dienstag, April 30, 2013

ein blogbuch

neben meinen spärlichen blogeinträgen hier und häufigeren beiträgen auf netzpolitik.org habe ich zusammen mit Sigrid Quack vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) vor knapp 4,5 jahren das forschungsblog "governance across borders" gegründet und auch dort regelmäßig gebloggt.

gemeinsam mit dem im laufe der zeit dazugestoßenen mitherausgeber Phil Mader haben wir im letzten halben jahr gut 120 einträge ausgewählt, thematisch gruppiert und leicht überarbeitet als blogbuch mit dem titel "governance across borders: transnational fields and transversal themes" neu veröffentlicht.

dank großzügiger unterstützung des MPIfG war danach nicht nur lektorat und grafisch aufwändige gestaltung sondern auch eine open-access-veröffentlichung möglich: das PDF der druckversion sowie eine e-reader freundliche epub-version gibt es als kostenlosen download. wer mag, kann das buch aber auch auf papier bestellen.


Donnerstag, März 07, 2013

altvorstellung VI: "Zur Theoriegeschichte der Betriebswirtschaftslehre"

in der serie altvorstellung (ausführlicher hier) geht es um bücher, die - obwohl vergriffen oder über 30 jahre alt - es wert sind, gesucht (z.b. über ZVAB) und gelesen zu werden.

diesmal: "Zur Theoriegeschichte der Betriebswirtschaftslehre" von Sönke Hundt, das 1977 als erster band der reihe "Mitbestimmung - Arbeit - Wirtschaft" im Bund-Verlag Köln erschienen und inzwischen längst vergriffen ist.
auf die idee zur lektüre dieses bands brachte mich ein student der vorlesung "Grundlagen der BWL für den Studiengang VWL Bachelor", dessen frage nach einer kritisch-ideengeschichtlichen aufarbeitung der bwl ich nicht sofort beantworten konnte. ich bin ihm zu dank verpflichtet, weil mich die darauffolgende recherche zu Hundts buch geführt hat.

ähnlich wie das in der letzten altvorstellung besprochene und vom positivismusstreit geprägte buch "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" von Joseph Weizenbaum, ist ausgangspunkt auch hier eine erkenntnistheoretische debatte der 1960er jahre: die Kuhn-Popper-Kontroverse. Hundt nimmt dabei in seiner rekonstruktion der betriebswirtschaftlichen theoriebildung im deutschland des 20. jahrhunderts eine wissenschaftssoziologische perspektive in Kuhnscher tradition ein. vor allem überzeugt ihn dessen argument, dass die herrschende lehre
"die Geschichte des eigenen Faches in der Weise [schreibt], daß sie ihr Paradigma sozusagen nach rückwärts projeziert und die älteren theorien als ihre eigenen Vorläufer jeweils neu interpretiert, so daß die aktuelle Wissenschaft als der Gipfel des Erreichten und Erreichbaren erscheint." (S. 16)
in einem gerade für sozialwissenschaftliche theoriebildung entscheidenden punkt geht Hundt aber über Kuhn hinaus, wenn er die gesellschaftliche bedingtheit paradigmatischer auseinandersetzungen in der wissenschaft betont. besonders eindrücklich wird das bei Hundts würdigung des werks von Eugen Schmalenbach. dessen wertdiskussion sowie fixkostentheorie versuchte einen beitrag zur (er-)klärung von hyperinflations- und deflationsproblemen zu leisten, mit denen unternehmen im deutschland der zwischenkriegszeit konfrontiert waren. ein zentrales argument Schmalenbachs war beispielsweise, dass die zunahme des fixkostenanteils deflationäre tendenzen verschärft, weil ein hoher fixkostenanteil bei nachfragerückgang strategien der produktionsausweitung impliziert - schließlich werden immer noch deckungsbeiträge erwirtschaftet.

Montag, Februar 11, 2013

altvorstellung V: "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft"

in der serie altvorstellung (ausführlicher hier) geht es um bücher, die - obwohl vergriffen oder über 30 jahre alt - es wert sind, gesucht (z.b. über ZVAB) und gelesen zu werden.

diesmal: "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" von Joseph Weizenbaum. titel der originalausgabe: "Computer Power and Human Reason. From Judgement to Calculation". vergriffen ist die englische originalausgabe, die deutsche fassung ist noch erhältlich aber alleine deshalb alt genug für diese serie, weil es sich um ein buch zum thema computer handelt.

und tatsächlich ist das buch am rande auch deshalb interessant, weil es zeigt, welche begriffe anfang der 1980er jahre noch alles andere als selbsterklärend waren. so werden beispielsweise "software" und "hardware" jeweils mit einem sternchen versehen und vom übersetzer erläutert. nicht erläutert, sondern übersetzt wurde damals noch das wort "bugs":
"Im Computerjargon ist 'Wanze' ein Programmierfehler."
Weizenbaum zitiert dann auch einen kollegen, der solche wanzen für allgemein vermeidbar hielt, was mich angesichts der übersetzung des zitats bedauern lässt, dass sich wanze nicht als begriff durchgesetzt hat:
"Wahrscheinlich besteht der beste Weg zur Ausschaltung von Wanzen in der Entwicklung wanzenfreier Programmiermethoden. Nichtsdestoweniger sollte das Entwanzen (die Entfernung von Wanzen aus Programmen, J. W.) im Mittelpunkt der Forschungsbemühungen stehen, mit denen wir die Programmiertechnik in den Griff bekommen wollen." (S. 319)
gelesen habe ich das buch, das bereits seit einiger zeit in schön vergilbt-gebrauchter form bei mir zu hause herumlag, aber eigentlich, weil Constanze Kurz es in ihrer FAZ-rezension von "Internet: Segen oder Fluch" als (immer noch) "wegweisend" gelobt hatte. und sie hat völlig recht.

Samstag, Dezember 01, 2012

fußnotenrekursion

wahrscheinlich mit das beste am buch "Internet - Segen oder Fluch" von Kathrin Passig und Sascha Lobo sind die fußnoten. besonders deutlich wird das an der ersten fußnote in kapitel 14 ("Die Urheberrechthaber"):
"Jeanette Hofmann hat schon 2006 im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung die Textsammlung 'Wissen und Eigentum: Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter' herausgegeben, deren Lektüre die Lektüre aller anderen Texte zum Urheberrecht überflüssig macht. (Eigentlich auch dieses Kapitels, aber wir haben die besseren Fußnoten.)"
wunderschön, diese fußnotenrekursion. und auch inhaltlich ist ihr in jeder hinsicht zuzustimmen.

weitere lesenswerte fußnoten, wenn auch nur im kontext des haupttextes verständlich: 2/3, 5/2, 7/5, 9/10 und 14/8.

Freitag, Oktober 12, 2012

halbvorstellung (2): ‚In Anführungszeichen: Glanz und Elend der Political Correctness ’ von Matthias Dusini und Thomas Edlinger

in der serie halbvorstellung geht es um bücher, die in mancher hinsicht lesenswert sind, denen aber auf halber strecke die luft ausgeht. dieses mal geht es um „In Anführungszeichen“ von Matthias Dusini und Thomas Edlinger (Suhrkamp, 2012).

„In Anführungszeichen“ gliedert sich in zwei teile, einen längeren und lesenswerten ersten teil über „Lautes Leid. Das Opferideal des moralischen Prekariats“ sowie einen kürzeren und eher enttäuschenden zweiten teil über „Narziss als Gott und Dämon der Political Correctness.“

es lässt sich nur darüber spekulieren, wie sehr die beiden autoren beim schreiben arbeitsteilig vorgegangen sind und wer bei welchem teil den lead übernommen hat. klar ist jedenfalls, dass sich die beiden teile nicht nur thematisch und stilistisch unterscheiden, sondern auch in der haltung, die dem gegenstand „Political Correctness“ (PC) gegenüber eingenommen wird.

im ersten teil wird das titelgebende versprechen eingelöst, sowohl glanz als auch elend von PC zu beleuchten. PC und deren kritik beginnt für Edlinger und Dusini erst jenseits von gerichtlich einklagbaren rechten als „soziale[s] und psychosoziale[s] Sprachspiel“ s. 48). nach einer kurzen geschichte des aufkommens von PC und PC-kritik in Europa wagen sich die autoren an die großen PC-themen: antisemitismus, islamkritik, sexismus.

Dienstag, Juni 12, 2012

"Unter Piraten"

die piratenpartei ist in deutschland das politische thema der stunde. die beiden politikwissenschaftler Christoph Bieber und Claus Leggewie haben nun einen sammelband zum thema mit dem titel "Unter Piraten" (2012, transcript) vorgelegt. online gibt es davon vorerst nur eine leseprobe bestehend aus einleitung samt inhaltsverzeichnis. aus letzterem habe ich erfahren, dass mein gemeinsam mit Kirsten Gollatz verfasster beitrag "Piraten zwischen transnationaler Bewegung und lokalem Phänomen" (Preprint-PDF) den sammelband quasi eröffnen darf. die zentrale these unseres beitrags hat Christoph Bieber in seiner einleitung treffend in einen satz gepackt:
Der Erfolg der Piraten ist nur unter Berücksichtigung der transnationalen Dimension verstehbar, die auf das Zusammenwirken grenzüberschreitender und lokaler Praktiken national rückgebundener Akteure zurückgeht.
da ich selbst bislang noch kein autorInnenexemplar erhalten habe, kann ich über die mehrzahl der übrigen beiträge wenig sagen. der einzige weitere beitrag, den ich dank kontakt zu einer der autorinnen vorab lesen durfte, war aber so interessant, dass er die anschaffung des werks bereits rechtfertigt. wiederum aus der einleitung:

Donnerstag, Juli 03, 2008

"Windows versus Linux"


seit gestern lässt sich das ergebnis von 2,5 jahren berlin-aufenthalt im "Pfadkolleg" in buchform unter dem titel "Windows versus Linux: Markt - Organisation - Pfad" beim VS-Verlag (vor)bestellen, erscheinungstermin ist der 14. august 2008. der klappentext lautet wie folgt:

Sind Verwaltungsbürokratien als Vorreiter technologischer Innovation vorstellbar? Können einzelne, große Organisationen als Nachfrager in einem Markt Monopole überwinden helfen, wo Wettbewerbsbehörden hilflos sind? Stadtverwaltungen wie jene in München und Wien werfen mit ihrem Wechsel von Windows auf Linux am Desktop genau diese Fragen auf. Ein Vergleich von Berlin, Frankfurt/M, München und Wien zeigt, wie Organisation und Technologie erst im Zusammenspiel zu einem „Lock-in“ auf Windows führen – und wie und warum Akteure trotz aller Umstellungshürden (Diskurs-)Koalitionen für einen Wechsel zu Freier/Open Source Software schmieden. Dabei dokumentiert der Band, dass und was auch Unternehmen von Stadtverwaltungen im IT-Bereich lernen können.