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Montag, März 27, 2006

die große deutsche zeitung

nachdem dieser blog in seiner unregelmäßigen aktualisierung schon drohte zur institutionalisierten litanei über den niedergang deutschen qualitätsjournalismuses an hand des (immer noch) schrecklichen spiegel-beispiels zu werden, soll heute an dieser stelle einmal der große lichtblick der deutschen presselandschaft, "Die Zeit" gewürdigt werden. anlass dafür ist die aktuelle, ziemlich gelungen ausgabe (trotz eines gastkommentars von Hans-Werner "hohepriester des neoliberalismus" Sinn). Folgende online zugänglichen artikel sollen beispielhaft belegen, dass es hoch an der Zeit (kalauer, kalauer) ist, sein Spiegel-abo gegen ein Zeit-Abo einzutauschen (Spiegel-Abo-Kündigungsbestätigung dann einfach umgehend an die Titanic schicken):

"Früher beginnen, später trennen - Plädoyer für einen behutsamen Umbau des deutschen Schulsystems"

"Kinderschwund - na und? - Deutschland ist überbevölkert"

"80 Millionen Verschwender - Ein Energiegipfel soll die Versorgung sichern. Doch wichtiger als neue Kraftwerke sind sparsame Bürger und Unternehmen"

Montag, Januar 23, 2006

"Du bist eine Klowand"

Du bist...
...geklaut!


abgesehen davon, dass die aktuelle "Du bist Deutschland"-kampagne zur stärkung des sinnlos-gefährlichsten gefühls der welt (deutscher hurra-patriotismus) satiriker/innen - und solche die es gerne wären - auf jahre hinaus beschäftigen wird (vgl. die über 200 fotos lange galerie auf flickr), versucht sich der verantwortliche werbe-fuzzi (Jean-Remy von Matt) inzwischen in publikumsbeschimpfung. wie Jens Scholz in seinem blog berichtet, stellte dieser nämlich in einem mail wie folgt fest:

"Vor zwei Wochen startete "Du bist Deutschland", die größte gemeinnützige Kampagne aller Zeiten und ein riesiges Geschenk. Die großen Verlage haben Zeit und Raum im Wert von 35 Millionen Euro geschenkt. 30 Promis der ersten Liga haben Zeit und ihr Gesicht geschenkt. (...)
Das Ziel: Die Miesepetrigkeit bekämpfen.
Der Dank: Miesepetrigkeit. Glücklicherweise nur von den Gruppen, von denen man nichts besseres erwarten konnte:
(...)
2. Von den Weblogs, den Klowänden des Internets. (Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern? Und die meisten Blogger sondern einfach nur ab. Dieser neue Tiefststand der Meinungsbildung wird deutlich, wenn man unter www.technorati.com eingibt: Du bist Deutschland.)"


was soll ich da noch sagen? zum beispiel, dass ich noch nie so stolz war, meine eigene "klowand des internets" zu haben...

Montag, Dezember 26, 2005

intersubjektive bestätigung

meine persönliche wahrnehmung, dass sich in den letzten jahren nicht nur die journalistische qualität des deutschen nachrichtenmagazins "Der Spiegel" stark verschlechtert, sondern sich auch dessen politische ausrichtung fundamental nach rechts verschoben hat (aktuelles beispiel: die serie über die "goldenen 50er jahre", deren einzige botschaft zu sein scheint, wie durch 48-stunden woche, gewerkschaftlichen lohnverzicht und christlich-konservative werte das deutsche wirtschaftswunder möglich geworden sei), wurde nun von unerwarteter seite eindrucksvoll bestätigt: Andreas Unterberger, größter fan der schwarz-blauen wende und inkarnation eines neoliberalen treppenwitzes - als radikaler verfechter von Schüssels motto "mehr privat, weniger staat" fand er nach seiner "freisetzung" bei der "Presse" zuflucht als chefredakteur des im öffentlichen eigentum stehenden republiks-blattes "Wiener Zeitung" - berichtete in der rubrik "Was ich lese..." im monatsmagazin "Datum" von großer "Lesefreude" bei folgenden druckwerken:

"bei dem in Schärfe und und Weisheit seiner Analyse unübertreffbaren britischen Economist (soweit, so erwartbar, Anm.), bei dem in den letzten Jahren dramatisch verbesserten Spiegel und bei der sensationellsten Neugründung des Medienmakts, bei Cicero."

fazit: "Der Spiegel" hat sich in den letzten jahren tatsächlich vom links-liberalen "Sturmgeschütz der Demokratie" (eigenbeschreibung des verstorbenen gründers und herausgebers Rudolf Augstein) zur rechts-konservativen lieblungslektüre eines Andreas Unterberger entwickelt...